Ensemble barbarae!

 

Letztes Konzert

Österreichische Nationalbibliothek Wien

Palais Mollard, Salon Hoboken, Herrengasse 9, 1010 Wien

Mittwoch, 13.11.2019, 1930

Programm: „Am Habsburgischen Hofe“

Mit freundlicher Unterstützung von Winfried Hackl Cembalobau

Link: https://www.onb.ac.at/news-einzelansicht/aus-den-estensischen-musikalien


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Das Ensemble barbarae!, dessen Mitglieder sich anlässlich ihrer Studien der Alten Musik an den Musikuniversitäten Linz und Wien kennen lernten, formierte sich im April 2004.

Die vier MusikerInnen verbindet der Wunsch, den Klangfarbenreichtum und sprechenden Charakter der europäischen Barockmusik in ihren verschiedenen nationalen Ausprägungen zum Ausdruck zu bringen. Neben solistischen Auftritten der einzelnen Mitglieder steht vor allem die kammermusikalische Arbeit im Vordergrund. Dabei wird den beiden weich klingenden Soloinstrumenten, Blockflöte und Viola da Gamba, ein kraftvolles Continuo, bestehend aus Cembalo und Laute, gegenübergestellt.

Seine Konzertprogramme ergänzt das Ensemble gerne mit kurzen literarischen Kostproben der jeweiligen Epoche, die den Affektgehalt der Musik nachzeichnen und verstärken.


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Besetzung

Barbara Fuchslehner | Blockflöten

Barbara Zikulnig | Viola da Gamba

Hermann Platzer | Theorbe

Philipp Sonntag | Cembalo, Orgel


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Konzertprogramme


Von Zeit und Ewigkeit


Das Programm Von Zeit und Ewigkeit – Chaconne, Follia und andere virtuose Variationssätze der Barockzeit beinhaltet barocke Ostinato-Kompositionen aus Italien, Frankreich, Spanien, England und Deutschland. Der Titel spielt an auf das vom Kontrast Lebenslust und Jehnseitssehnsucht geprägte dualistische Weltbild des Barockzeitalters, das sich auch in der Musik widerspiegelt. Ostinato-Kompositionen basieren auf einer sich unausgesetzt wiederholenden harmonischen Keimzelle. In dieser Wiederkehr liegt eine Ahnung von Ewigkeit. In völligem Kontrast dazu stehen die Oberstimmen, deren virtuose Melodien stetigem Wandel unterliegen, und so fest im irdischen Begriff von Zeit verankert sind.

Barocke Lyrik von Paul Fleming, Angelus Silesius, Andreas Gryphius u. a., die sich thematisch mit der Vergänglichkeit der Lebenszeit auseinandersetzt, umrahmt die musikalischen Darbietungen.



Folies et galanteries


Tollkühne Raserei und höfische Manierlichkeit sind die zwei Gegenpole, innerhalb derer sich die vorliegende Auswahl französischer Barockmusik bewegt. Von der verspielten Eleganz der Flötenmusik eines Leclair oder Hotteterre über Couperins augenzwinkerndes programmatisches Werk für Cembalo bis hin zur ungestümen Leidenschaft von Marin Marais' Follia-Variationen für Viola da Gamba bietet dieses Programm ein breites Spektrum an Affekten dar, die in Gedichten französischer Lyriker des 17. Jahrhunderts ihre Entsprechung finden.



Italia, ídolo mio


Kostproben aus der Blütezeit frühbarocker italienischer Musik und ihre Nachahmung in den Ländern jenseits der Alpen stehen im Mittelpunkt dieses Programms. Ausgehend von den Triosonaten Merulas, Frescobaldis und Selma y Salaverdes wird ein chronologischer Bogen gespannt, der über die italienisch beeinflusste Musik eines J. H. Schmelzer oder Dietrich Buxtehude bis hin zur Solosonate Corellis führt.

Zeitgenössische Berichte über die Entbehrungen eines Lebens im 17. Jahrhundert runden das Bild der Epoche ab.



Invitation à Paris


Georg Philipp Telemanns Pariser Quartette, die rund um seinen Aufenthalt in der französischen Kulturmetropole entstanden, zeichnen sich durch die absolute Gleichwertigkeit der drei Oberstimmen, Violine, Flöte und Viola da Gamba, aus. Elemente französischen, italienischen und deutschen Stils verschmelzen darin zu einem Sinnbild barocker Lebensfreude.

Ergänzend zu den drei dargebotenen Quartetten stellen Auszüge aus den Memoiren Giacomo Casanovas Sitten und Unsitten des Pariser Kulturlebens im 18. Jahrhunderts dar.



Am Habsburgischen Hofe


Die Verbindung der Habsburger zum Herzogtum Modena geht zurück auf Maria Beatrice d’Este, die 1771 Erzherzog Ferdinand, einen Sohn Maria Theresias, ehelichte. So entstand der Familienzweig Habsburg-Lothringen-Este. Im Besitz des Hauses Este befand sich seit Beginn des 18. Jahrhunderts die in diesem Konzert präsentierte Sammlung, die im späten 18. Jahrhundert von Marchese Tommaso degli Obizzi angelegt wurde und, neben Kunstwerken und Musikinstrumenten, über 200 Handschriften von Instrumentalwerken und nur 17 Druckwerke umfasst. Francesco V. von Modena brachte die sogenannte Estensische Musikaliensammlung Mitte des 19. Jahrhunderts nach Wien. Franz-Ferdinand von Habsburg-Este erbte die Sammlung und ließ sie 1908 in die Neue Hofburg übertragen. Heute befinden sich die Estensischen Musikalien in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek.